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"Hetz mich nicht!"

"Hetz mich nicht!"

Innehalten, Nachdenken, mehr in der Gegenwart leben: "Augenblick mal! Sieben Wochen ohne Sofort" ist Thema der Fastenaktion der evangelischen Kirche 2017 vor Ostern. Wie in jedem Jahr ruft die protestantische Initiative zum Um- und Neudenken auf.

(epd). Wer hat an der Uhr gedreht? Ungeduld, Hast und Rastlosigkeit scheinen zunehmend den Alltag zu beherrschen. Viele haben so viel zu tun, dass die wichtigen Dinge im Leben oft auf der Strecke bleiben - "Stopp!" ruft die evangelische Kirche mit ihrer Fastenaktion "7 Wochen Ohne". Zwischen Aschermittwoch (1. März) und Ostersonntag (16. April) sollen sich Teilnehmer im Innehalten, Nachdenken und der Kunst der Pause üben.

Momente zum Innehalten einbauen

Tatsächlich müssen immer mehr Menschen immer mehr Dinge in knapp bemessener Zeit unterbringen. Allerlei digitales Gerät hat sich als Zeitfresser breitgemacht, vom Smartphone bis zum Tablet, Facebook und Twitter fordern Aufmerksamkeit. Daher, mahnt die Aktion "7 Wochen Ohne", müssen Momente zum Innehalten in den Alltag eingebaut werden.

Gerade was die sozialen Netzwerke angeht, heißt es: "Global vernetzt und ganztägig online, sind wir mit Kommentaren, Antworten, Sprüchen schnell zur Stelle. Da geraten auch grobe Worte und grober Unfug in Umlauf. Besser wäre: kurz innehalten, abwägen und 'erbauliche' Worte suchen." Sie finde es großartig, in einem Land zu leben, in dem wir Kritik üben dürfen, meint die Theologin Margot Käßmann in einem Beitrag für den Fastenkalender. "Aber im Internet herumzupöbeln und andere zu beschimpfen, ist etwas ganz anderes", schreibt die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Seit mehr als 30 Jahren gibt es die Aktion "7 Wochen Ohne". Die Themen für die sieben Wochen lauten in diesem Jahr unter anderem: "Nicht sofort entscheiden", "Nicht sofort lospoltern" oder "Nicht sofort aufgeben."

Auch Gott hat eine Pause gemacht

Selbst Gott hat laut Bibel bei der Erschaffung der Welt am siebten Tag eine Pause eingelegt. Und inzwischen raten Psychologen, Philosophen und Managementtrainer zum Innehalten - oder dazu, eine Zeit lang absolut nichts zu tun. Wer das eine Weile durchhält, soll so ein Gespür für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bekommen. Und hinterher seine Ziele mit weniger Aufwand erreichen.

Doch Nichtstun ist in der westlichen Kultur als Müßiggang oder Faulenzen verpönt. Viele fühlen sich schuldig, wenn sie nicht wenigstens irgendetwas tun. Dem hält der Theologe und Schriftsteller Fulbert Steffensky entgegen: "Zu einem guten Arbeiter gehört es, dass er aufhören kann zu arbeiten, und dass er keine Angst vor der Ruhe hat. Es gibt eine Emsigkeit, die nur getarnte Faulheit ist. Ich misstraue dem Fleiß derer, die ewig betonen, sie hätten keine Zeit", etwa für Musik, oder für ein Buch, heißt es in einem Beitrag des 83-Jährigen für den "7 Wochen Ohne"-Kalender.

Gute Lösungen brauchen Zeit

Die Fastenaktion der Protestanten empfiehlt gestressten Zeitgenossen zudem, nicht sofort zu entscheiden, nicht sofort auf alles zu reagieren: "Gute Lösungen brauchen Zeit", heißt es im Begleitkalender der edition chrismon. Der Geist brauche Lücken und Unterbrechungen im Alltag, damit er Atem holen kann. "Besinnung ist ein Moment der Weisheit. Sie schützt unsere Freiheit und sie schützt andere vor uns selbst", betont Steffensky.