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Martin Luther und Augsburg

Martin Luther und Augsburg

Martin Luther ist zweimal in seinem Leben in Augsburg gewesen. Darüber hinaus hat er die Einführung der Reformation in Augsburg mit Briefen begleitet und in seinen Tischreden kommentiert.

Luthers Beziehung zu Augsburg fasst Klaus Peter Schmid in folgende vier Punkte:

1. Die Auseinandersetzung mit Kardinal Cajetan

Luther hat sich vom 7. bis 20. Oktober 1518 in Augsburg aufgehalten; hier hat er am 12. , am 13. und am 14. Oktober 1518 im Fugger-Palast die Gespräche mit dem römischen Kardinallegaten Cajetan - damals einem der anerkanntesten Theologen der römischen Kirche - geführt.

Die beiden wichtigsten Streitpunkte zwischen den Kontrahenten waren

a) die Frage, ob der Papst oder die Heilige Schrift oberste Autorität in der Kirche sind: Cajetan berief sich zur Begründung der AbIasslehre der damaligen Kirche auf die Bulle "Unigenitus" des Papstes Clemens VI. aus dem Jahr 1343. Ausführlich hat Luther dem gegenüber nachgewiesen, dass der Papst in dieser Bulle nicht biblisch argumentiert hat. In seinem Bericht über die Verhandlungen ("Acta Augustana" November 1518) hat Luther seine Stellungnahme zusammengefasst in dem Satz: "negavi contra, papam supra scripturam esse" ("Ich stellte dagegen in Abrede, dass der Papst über der Heiligen Schrift steht").

b) Cajetan hatte den Satz Luthers beanstandet, dass zum heilswirksamen Gebrauch des Sakraments der Vertrau-Glaube an die Zusage Christi notwendig sei. Hier traf er das Herzstück der theologischen Erkenntnis Luthers, welcher bei Paulus gelernt hatte: "So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben." Die ausführliche Stellungnahme Luthers zu dem Vorwurf Cajetans gipfelt in dem Satz: "hanc fidei sententiam si mutavero Christum mutavero" ("Wenn ich dieses Verständnis von Glauben verändere, dann verändere ich Christus"). Für diese aus langjähriger Schriftforschung erwachsene grundsätzliche Erkenntnis Luthers konnten sich weder Cajetan noch Papst Leo X. und seine Theologen öffnen.

2. Rückkehr von der Romreise

Luther war übrigens auch auf der Rückkehr von seiner Romreise im Frühjahr 1511 in Augsburg. Er hat davon in späteren Tischreden aber lediglich seinen Besuch bei der religiösen Betrügerin Anna Lamenit geschildert; sie hatte bis zu ihrer Entlarvung vorgegeben, dass sie nur von der Hostie lebe. In zwei Tischreden (WA TR Nr. 4925 und Nr. f 7005) hat Luther sich ziemlich drastisch darüber geäußert.

3. Confessio Augustana

Auch im Zusammenhang mit der Übergabe der Confessio Augustana am 25. Juni 1530 hat Luther seine besondere Beziehung zu Augsburg gehabt: Von der Veste Coburg aus stand er von Mai bis August in regem Schriftwechsel mit den in Augsburg versammelten Theologen - vor allem auch mit Melanchthon. Er hat sich voll mit der Confessio Augustana identifiziert - eine Feststellung, an der auch seine leichte Kritik an Melanchthon ("denn ich so leise nicht treten kann") nichts abbricht.

4. Trostbrief an die Christen zu Augsburg

Im übrigen hat Luther mit dem Prior des Karmeliterklosters St. Anna, Johann Frosch, welcher 1518 sein Gastgeber war, eine Freundschaft verbunden. Luther hat in einem bewegenden Brief zu der ersten Pfarrershochzeit in Augsburg (Grießbeutel) Stellung genommen in seinem "Trostbrief an die Christen zu Augsburg". Er hat, als die von ca. 1531 bis 1536 ganz in Zwinglianischem Fahrwasser ergehende konfessionelle Entwicklung in Augsburg schließlich zur Wittenberger Konkordie 1536 geführt hat, sich dankbar über das Zustandekommen dieses Einigungswerks geäußert und dann später noch den Rat der Stadt vermahnt, bei der einmal beschlossenen Sache zu bleiben

Text:
Auszug  aus: „Luthers Acta Augustana 1518 Deutsch von Dekan i.R. Klaus-Peter Schmid mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.