Augsburg ist reich an Geschichte – und an Orten, an denen sie bis heute sichtbar wird. Unsere fünf Tipps führen zu Reformationsgeschichte, außergewöhnlicher Kirchenkunst und besonderen Geschichten mitten in der Stadt. Alle Stationen lassen sich gut zu Fuß miteinander verbinden.
1. St. Anna – Augsburgs evangelische Hauptkirche
Mitten in der Augsburger Innenstadt liegt St. Anna, die evangelische Hauptkirche der Stadt. Ihre Geschichte beginnt 1321 mit dem Bau durch die Karmeliten. Über die Jahrhunderte wurde die Kirche immer wieder verändert – heute begegnen sich hier Baustile von der Gotik bis zum Klassizismus.
Auch kunstgeschichtlich gibt es viel zu entdecken: die mittelalterlichen Fresken der Goldschmiedekapelle, den historischen Kreuzgang und die Fuggerkapelle, die als erster sakraler Renaissanceraum Deutschlands gilt. Hinzu kommen zahlreiche weitere Kunstwerke aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Und natürlich ist St. Anna eng mit der Reformationsgeschichte verbunden: Martin Luther wohnte hier 1518 während seines Aufenthalts in Augsburg.
Wo? Im Annahof, direkt an der Fußgängerzone Annastraße.
2. Lutherstiege – Reformation am Originalschauplatz
Wer St. Anna besucht, sollte gleich noch etwas Zeit für die Lutherstiege einplanen. Das Museum befindet sich in Teilen des ehemaligen Karmeliterklosters, in dem Martin Luther während seines Aufenthalts in Augsburg 1518 untergebracht war. Hier lässt sich nachvollziehen, warum Augsburg für Luther und die Reformation eine so wichtige Rolle spielte.
Nach dem Museumsbesuch bietet sich direkt eine Pause im Annahof an. Nur wenige Schritte entfernt liegt das „anna“, heute Café, Bistro und Restaurant mit Frühstück sowie Mittags- und Abendangeboten. So lassen sich Reformationsgeschichte und eine kleine Pause mitten in der Innenstadt unkompliziert miteinander verbinden.
Wo? Direkt in St. Anna, das Café ist vom Annahof zugänglich
3. Die Ulrichskirchen – zwei Konfessionen an einem Ort
Am südlichen Ende der Maximilianstraße stehen zwei Kirchen unmittelbar nebeneinander: die katholische Basilika St. Ulrich und Afra und die kleinere evangelische Kirche St. Ulrich. Gerade dieses ungewöhnliche Ensemble macht den Ort sehenswert. Auf engstem Raum wird sichtbar, wie eng die evangelische und katholische Geschichte Augsburgs miteinander verbunden sind.
Die evangelische Ulrichskirche entstand aus einer mittelalterlichen Vorhalle der benachbarten Basilika St. Ulrich und Afra. 1457 wurde darin eine eigene Gemeindekirche eingerichtet, die im Zuge der Reformation evangelisch wurde. Heute bilden die kleine evangelische Kirche und die große katholische Basilika ein außergewöhnliches Ensemble – und ein sichtbares Zeichen für die besondere konfessionelle Geschichte Augsburgs.
Wo? Ulrichsplatz 21, am südlichen Ende der Maximilianstraße.
4. Die Barfüßerkirche – eine Kirche mit Narben
Von den Ulrichskirchen führt der Weg weiter Richtung Lechviertel zur Barfüßerkirche. Ihre Geschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück: 1243 entstand in Augsburg die erste deutsche Niederlassung des Franziskanerordens. Die spätere Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg 1944 weitgehend zerstört. Vom ehemals wesentlich größeren Bau ist heute vor allem der wiederaufgebaute Ostchor erhalten.
Die Barfüßerkirche ist außerdem die Taufkirche Bertolt Brechts. Zu ihren besonderen Kunstwerken gehört das um 1632/33 von Georg Petel geschaffene Barfüßer Christkind, das aus der brennenden Kirche gerettet wurde. Gerade die sichtbaren Spuren von Verlust, Bewahrung und Neubeginn verleihen diesem Ort eine besondere Atmosphäre.
Wo? Mittlerer Lech 1, mitten im Augsburger Lechviertel.
→ Mehr zum Barfüßer Christkind und anderen Kunstobjekten hier
5. Die Fuggerei – eine soziale Idee seit über 500 Jahren
Zum Abschluss geht es weiter Richtung Jakobervorstadt zur Fuggerei. Bereits ab 1516 ließ Jakob Fugger die Fuggerei errichten. Mit dem Stiftungsbrief vom 23. August 1521 wurde die Sozialsiedlung dauerhaft als Stiftung festgeschrieben. Die Fuggerei gilt als die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt. In ihren 67 Häusern mit 142 Wohnungen leben rund 150 Menschen – mehr als 500 Jahre nach ihrer Gründung erfüllt die Stiftung damit noch immer ihren ursprünglichen sozialen Zweck
Mehrere Museen erzählen von der Geschichte der Fuggerei und vom Alltag ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Gleichzeitig schließt sich hier der Kreis zurück zu St. Anna: Auch die Fuggerei und die Fuggerkapelle gehören zu den Stiftungen Jakob Fuggers. Wer alle fünf Stationen besucht, begegnet der Familie Fugger damit gleich an mehreren Orten – und aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.
Wo? Eingang Jakoberstraße 26, in der Jakobervorstadt.


