Eine klare Haltung zu queeren Themen: Darum ringt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. Auf der Landessynode in Augsburg (31. März bis 3. April 2025) sind nun wichtige Beschlüsse gefasst worden – darunter die Gleichstellung der Trauung für alle Paare. Bernhard Offenberger, der selbst in einer Ehe mit einem Mann lebt und Pfarrer in Augsburg St. Ulrich ist, spricht im Interview über die Entscheidungen auf der Landessynode und offene Baustellen. Er erklärt, welche Fortschritte die Beschlüsse bringen, aber auch, warum er sich in einigen Punkten noch mehr Veränderung gewünscht hätte.
Die Synode hat über queere Themen beraten – was wurde konkret beschlossen?
Der Segnungsgottesdienst für ein Ehepaar heißt jetzt für alle Paare "Trauung". Pfarrpersonen, die keine gleichgeschlechtlichen Paare trauen wollen, müssen das weiterhin nicht tun, aber es gibt jetzt mehr Rechtssicherheit für Paare, die getraut werden wollen. Es wurde ein Schuld-Eingeständnis formuliert. Und ein Maßnahmenplan mit verschiedenen konkreten und weniger konkreten Punkten wurde verabschiedet.
Bist du mit den Entscheidungen zufrieden oder wo siehst du noch offene Baustellen?
Die Regelung zum Gewissensschutz, dass Pfarrpersonen weiterhin eine Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ablehnen können, ist eine Kompromissformel. Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass das eine Übergangsregelung ist, die z.B. für neu ordinierte Pfarrpersonen nicht mehr gilt. Aber vor allem ist mir wichtig, dass es eine Sicherheit für betroffene Paare gibt, also dass sie an jedem Pfarramt für ihre Trauung anfragen können und da dann auch in ihrem Anliegen unterstützt werden, und dass sie in der Kirche heiraten können, in der sie das möchten.
Was muss sich in der Kirche noch ändern, damit queere Menschen sich wirklich willkommen fühlen?
Einerseits müssen wir immer weiter lernen, weil sich Lebenswelten queerer Menschen immer weiter verändern. Andererseits müssen wir auf unsere Sprache und auch unsere Theologie schauen, wo Grundlagen für Ausgrenzung und Abwertung sind und wo wir in Klischees und starren Kategorien denken.
Es ist wichtig, dass die Kirche queere Menschen nicht als Gegenüber sieht, sondern dass sie versteht, dass queere Menschen ganz selbstverständlich Teil von Kirche auf allen Ebenen sind.
Was kann jede*r Einzelne in der Kirche tun, um mehr Akzeptanz für queere Menschen zu schaffen?
Wo ich unsicher bin: Menschen ehrlich fragen.
Davon ausgehen, dass queere Menschen schon da sind und dazu gehören.
Damit rechnen, dass man Fehler macht. Und wenn man Menschen verletzt, um Entschuldigung bitten.
Welche Rolle spielt dein Glaube für dein Engagement?
Für mich ist Glaube immer politisch und die biblische und kirchliche Tradition ist eine wichtige Ressource für mein Handeln und Engagement. Ich merke auch, wie sich mein Glaube auch durch persönliche Weiterentwicklung verändert und wächst und im Handeln und in der Begegnung neue Facetten hinzugewinnt.
Wie wichtig ist die Vernetzung queerer Christ*innen in der Kirche?
Ich empfinde queer-christliche Gruppen als wichtige Räume, in denen man in geschütztem Rahmen Erfahrungen austauschen und Glauben teilen kann. Da wird Solidarität und Gemeinschaft erlebbar. Außerdem wissen wir nicht, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt. Da ist es immer gut, vernetzt zu sein und füreinander eintreten zu können.
Was wünschst du dir für die Zukunft der Evangelischen Kirche in Bayern im Umgang mit queeren Menschen?
Dass wir nicht mehr von einem „Umgang mit queeren Menschen“ sprechen, sondern dass wir als queere und nicht-queere Christ:innen gemeinsam Kirche sind, dass wir voneinander lernen und dass wir merken, dass alle Menschen davon profitieren, wenn queere Menschen frei und sicher leben können, weil es letztlich dazu beiträgt, dass Alle freier von Zwängen und starren Kategorien werden.